11 Tipps für die richtige Verschlagwortung deiner Stockfotos

Die Verschlagwortung ist wahrscheinlich der wichtigste Schritt, um deine Bilder für den Verkauf über Bildagenturen vorzubereiten. Dein Bild kann noch so gut sein, ohne ausreichende und vor allem die richtigen Keywords kann es von potenziellen Käufern nicht gefunden werden.

Die folgenden 11 Tipps sollen dir dabei helfen, deine Bilder richtig zu verschlagworten.

1. Denk wie ein Käufer

Versuche herauszufinden, in welcher Weise dein Bild für den Käufer von Nutzen sein kann. Käufer suchen Bilder oftmals nach Thema (tatsächlicher Inhalt), nach Kon-zepten (Ideen, Stimmung, etc.) oder auch nach technischen Kriterien, wie z.B. der Art der Aufnahme (Luftaufnahme, Nahaufnahme, Textfreiraum, etc.).

2. Visuelle Beschreibung

Stellen Dir vor, du möchtest jemandem dein Bild beschreiben, der es nicht sehen kann. Konzentriere dich dabei erst einmal nur auf die visuellen Informationen. Die ersten Wörter, die dir in den Sinn kommen, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit wichtige Keywords.

  • Was ist auf dem Bild zu sehen bzw. was ist das Hauptthema des Bildes?
  • Ist der Aufnahmeort relevant? Wenn ja, dann beschreibe ihn sowohl allge-mein als auch spezifisch (z.B. Museum, Kunstmuseum, Louvre, Paris, Frankreich)
  • Ist für die Aufnahme ein besonderer technischer Aspekt relevant (Luft-aufnahme, Froschperspektive, Panorama etc.)?
  • Gibt es Menschen auf dem Bild? Wenn ja, dann beschreibe sie speziell.

Liste keine unbedeutenden Details auf und vermeide auf jeden Fall zu viele und irrelevante Keywords (Keywordspamming). Betrachte das Bild immer wieder aus den Augen des Käufers. Wenn du das Bild mit jedem deiner Keywords gesucht und in den Bildergebnissen gefunden hättest – fändest du das Ergebnis dann passend zu deinem Keyword oder eher ablenkend?

3. Benutze allgemeine und spezifische Keywords

Da man vorher nie genau wissen kann, wer nach dem Bild sucht und auch nicht was genau gesucht wird, solltest du dein Bild immer sowohl allgemein als auch spezifisch beschreiben. Z.B. sucht ein Bildkäufer evtl. nur nach Vögeln auf einem See bei Sonnenuntergang. Ein anderer Bildkäufer sucht dagegen vielleicht nach Stockenten (Anas platyrhynchos) auf dem Flesensee im Schilf bei Sonnenuntergang. Wenn du also das Keyword »Vogel« benutzt, dann solltest du gleichzeitig sowohl den allgemeinen als auch wissenschaftlichen Namen hinzufügen. Außerdem gehört dann auch das Wort »Tier« mit hinein. Vorrausetzung dafür ist natürlich wiederum, dass die Keywords auch relevant sind. Wenn die Vögel nur unwesentliches Beiwerk auf dem Bild sind und das eigentliche Motiv der See ist, dann ist das Wort »Vögel« völlig ausreichend, wenn es überhaupt Bild relevant ist.

4. Vergiss nicht das Offensichtliche

Fußball ist auch ein »Sport« gespielt von »Fußballern«
Heidelbeeren sind auch »Beeren«, »Früchte«, »Obst«, »Nahrung«, »Essen«
Eine Mutter ist auch eine »Frau«
Berlin ist auch eine »Hauptstadt«, »Großstadt«, »Stadt«
usw.

5. Konzepte

Nicht immer suchen Käufer nach einem spezifischen Thema. Sehr oft suchen sie auch nach einem Konzept, welches sie darstellen möchten bzw. nach einem Bild was sie anderen vermitteln wollen: wie z.B. Humor, Liebe, Glück, Trauer, Einsamkeit etc.

Konzepte sollten jedoch nur hinzugefügt werden, wenn diese auch tatsächlich zum Bild passen. Versuche nicht krampfhaft dir irgendwelche Konzepte aus den Fingern zu saugen, in der Hoffnung das sich deine Bilder dann besser verkaufen. Das Gegenteil wird der Fall sein. Wenn die Konzepte zu weit hergeholt sind, wird es die Käufer eher verärgern. Denk immer daran, dass deine Keywords nur das widerspiegeln sollten, was du auch tatsächlich vom Bild wahrnehmen oder ableiten kannst.

Frage dich immer:

  • Was war deine ursprüngliche Motivation für das Fotografieren? Was hast du versucht auszudrücken?
  • Gibt es ein bestimmtes Gefühl oder eine Stimmung, die bei einem Blick auf dieses Bild besonders herausspringt?
  • Ist das Bild ein Symbol für eine größere Idee?
  • Erzählt das Bild eine Geschichte oder spricht es ein bestimmtes Thema an?
  • Wenn sich Personen in deinem Bild befindet, dann schau dir deren Gesichtsausdruck und Körpersprache an. Zeigen sie irgendwelche offen-sichtlichen Emotionen?

6. Aufnahmeort

Der genaue Aufnahmeort ist vor allem bei Reisebildern wichtig. Schreibe deshalb nicht einfach nur »Skyline« und »Stadt«, sondern auch »New York«, »Manhattan«, »Brooklyn Bridge«, USA usw. Je genauer du deine Bilder verschlagwortest, desto besser werden deine Bilder von potenziellen Käufern gefunden.

Der Aufnahmeort sollte jedoch nur hinzugefügt werden, wenn er für das Bild eine Rolle spielt. Bei einem Bild, welches z.B. in einem Fotostudio in Hamburg aufgenommen wurde, ist das Keyword »Hamburg« i.d.R. unpassend, da es auch woanders aufgenommen sein könnte.

7. Technische Aspekte

Manchmal ist es sinnvoll auch die technischen Aspekte der Aufnahme zu berücksichtigen. Damit ist jedoch nicht der Name der Kamera oder die genutzte Brennweite gemeint. Vielmehr geht es um spezifische Elemente und Techniken, die für die Bildgestaltung genutzt wurden; wie z.B. Langzeitbelichtung, Gegenlicht, Blaue Stunde, Bewegungsunschärfe usw.

8. Aufnahmen von Menschen

Wenn Personen in deinem Bild zu sehen und wesentlicher Bestandteil der Bild-aussage sind, dann überlege dir welche Merkmale für einen Käufer wichtig sein könnten:

 

Beispiel:

Geschlecht

Mann, Frau, Kind, Junge, Mädchen, usw.

Altersangabe

20-24 Jahre, Baby, Kleinkind, Kind, Teenager, Erwachsener, usw.

Ethnische Zugehörigkeit

Kaukasier, Asiate, usw.

Handlung

schwimmen, klettern, kochen, zeigen, halten usw.

Blickrichtung

direkter Blick, Blick zur Seite, Blick nach unten, Augen geschlossen, usw.

Körperhaltung

Arme verschränkt, umarmen, stehen, liegen, hocken, usw.

Ansicht

Ganzansicht, Portrait, untere Körperhälfte, Profil, Oberkörperauf­nahme, Kopf und Schulter, usw.

Personenanzahl

1 Person, 2 Personen, Paar, Gruppe, viele, usw.

Familiäre Rolle

Vater, Mutter, Eltern, Geschwister, Schwester, Bruder, Großvater, Opa, Tante usw.

Beruf (erkennbar?)

Polizist, Verkäuferin, usw.

Emotionen

lächeln, ernst, lachen, traurig, weinen, fröhlich, glücklich, erschrocken, erstaunt, konzentriert, skeptisch, usw.

Interaktionen

Hände schütteln, küssen, umarmen, Liebespaar, usw.

Körperteile im Fokus

Arm, Bein, Finger, Bauch, Kopf usw.

Portraitdetails

blond, brünette, dunkelhaarig, kurzhaarig, kurze Haare, lange Haare, langhaarig, usw.

9. Keyword-Format

Verwende bitte grundsätzlich keine Flexionen und Konjugationen, sondern immer nur Grundformen (Infinitive). Zusammengehörige Begriffe dürfen nicht durch Satz-zeichen getrennt werden. Trenne nichts, was zusammengehört! Schreibe »New York« und nicht »New« und »York« oder »schreiben« aber nicht »schreibend«, »schreibende«, »schreibender« usw. Benutze wenn möglich auch immer die Einzahlform (Singular).

10. Keyword-Anzahl

Wie viele Keywords du verwenden solltest, darüber lässt sich keine genauen Angaben machen, da jedes Bild verschieden ist. Ein People-Bild benötigt i.d.R. meist mehr Keywords als ein Reisemotiv. Als grobe Richtlinie kann man 10-20 Keywords angeben. Manchmal können aber auch 25 und mehr Wörter notwendig sein, um das Bild ausreichend zu beschreiben.

11. Systematisches Vorgehen

Der Prozess der »Verschlagwortung« ist zwar mühsam und zeitaufwändig aber notwendig, wenn deine Bilder gefunden werden sollen. Um effektiv und sorgfältig zu arbeiten, ist ein System erforderlich, das du bei jeder Verschlagwortung anwendest.

Arbeite dich dabei vom Allgemeinen zum Speziellen vor und versuche so viele Bilder wie möglich auf einmal zu verschlagworten. So könnte die erste Frage z.B. lauten: drinnen oder draußen? Dann markierst du alle Bilder auf die das jeweilige Keyword (außen, Außenaufnahme oder innen, Innenaufnahme) passen würde und fügst es per Stapelverarbeitung hinzu. Auf diese Weise kannst du gleich viele Bilder auf einmal bearbeiten und musst nicht jedes Motiv einzeln verschlagworten. Arbeite dich nach dem gleichen Prinzip immer weiter vor. Gehe dabei vom Großen ins Kleine, vom Allgemeinen ins Spezielle. Markiere immer zuerst alle Bilder mit der größten Übereinstimmung und füge das entsprechende Keyword hinzu.

Mit folgenden Fragen kann es dann z.B. weitergehen: Welche Tageszeit (Morgen, Morgendämmerung, Morgenlicht, Tag, Tageslicht, tagsüber, Abend, Abendlicht, Abenddämmerung, Sonnenuntergang, Nacht, Nachtaufnahme)? Sind Personen auf dem Bild zu sehen (Niemand, 1 Person, 2 Personen, 3 Personen, …, Gruppe)? Um welches Genre handelt es sich (Reise, Landschaft, Architektur, usw.)? Welche Bildelemente gibt es und was tragen sie für Namen (ggf. wissenschaftliches Bezeichnung für z.B. Naturphänomene oder Tiere)? Falls relevant: wo ist das Bild entstanden (Kontinent, Land, Region, Gebirge, Bergsee X)? Und so weiter…

Um wirklich effizient arbeiten zu können und viel Zeit zu sparen, solltest du dir von Anfang an angewöhnen deine Keywords hierarchisch zu organisieren. Anstatt jedes Keyword einzeln einzugeben brauchst du bei einer hierarchischen Gliederung nur das gewünschte Keyword aus einer unteren Ebene einzugeben. Alle Keywords aus den Ebenen darüber werden automatisch miteingefügt. Dies spart dir unglaublich viel Zeit.

Hier ein kurzes Beispiel:

-> Europa
-> Deutschland
-> Berlin
-> Brandenburger Tor

Wenn du deine Keywords so organisierst, dann reicht es schon, wenn du das Keyword »Brandenburger Tor« eingibst. Alle oberen Keywords (Berlin, Deutschland, Europa) werden automatisch mit exportiert. Wenn du nur »Berlin« eingibst, werden »Deutschland« und »Europa« mit hinzugefügt jedoch nicht »Brandenburger Tor«.

Mit dieser Vorgehensweise kannst du deine Verschlagwortung enorm vereinfachen und beschleunigen, da du weniger Wörter eingeben musst.

Wie du dir in Lightroom eine solche mehrsprachige und hierarchisch gegliederte Keyworddatenbank aufbauen und die verschlagworteten Bilder anschließend über ein kostenloses Plugin in der gewünschten Sprache exportieren kannst erfährst du hier.

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